| Titel | Wenn wir in Spanien verlieren … |
| Titelzusatz | das tragische Leben des Wuppertaler Anarchisten Fritz Benner |
| Verantwortlich | Dieter Nelles |
| Autor/in | Nelles, Dieter |
| Medientyp | |
| Publikationstyp | Buch |
| Erschienen |
2025
Bremen de Noantri |
| Auflage | 1. Auflage |
| Inhalt | Eine sympathische Charakterisierung von Benner findet sich in seinerKrankenakte. Ein schwedischer Arzt schrieb über ihn: »Ein etwas unter-setzter Mann mit einem Gesicht wie aus Holz geschnitten. Ein sehrintelligenter und von besonderer Eigenart geprägter Mensch, alterFreiheitskämpfer und Aufwiegler, offen, vertrauensvoll, intellektuell.« Sein Freund Helmut Rüdiger hätte noch seinen ausgeprägten »Gerechtigkeits-sinn« ergänzt und Benner selbst: »Ich bin ein fröhlicher Rheinländer, derdie Freiheit über alles liebt.«So sollten wir Fritz Benner in Erinnerung behalten. Er hätte sich vermutlichgefreut.Einleitung»Mir fällt immer noch ein«, schrieb Fritz Benner 1953 an den niederländi-schen Genossen Albert de Jong, »dass ich Dir in Spanien sagte: ›Verlierenwir hier, versackt eine Generation von Revolutionären.‹ Leider habe ichsehr weit recht behalten. Gewiss, mit Hitler wurde man fertig. Das war gutund nötig; ich würde sonst längst tot sein. Aber – der Faschismus wurdefast ausschliesslich militärisch geschlagen, nicht durch den Kampf derMassen. Jetzt die Enttäuschung der ehrlichen Massen nicht zuletzt inDeutschland – die an Russland und die Kommunisten glaubten. Deshalbdieser tote Punkt, den wir nicht überwinden können. Wir sterben lang-sam aus.« Fritz Benner und seine anarchistischen Genoss*innen erlebten in Spanieneinen »kurzen Sommer der Anarchie«. Spanien war für sie nicht nur einsicherer Zufluchtsort gewesen, sondern für kurze Zeit eine zweite Heimat,in der ihre revolutionären Ideale verwirklicht schienen. Mit der Niederlagein Spanien begann für sie in gewisser Weise unter verschärften Bedingungenein zweites Exil. Benner erhielt erst 1949 von den britischen Behörden dieErlaubnis nach Wuppertal zurückzukehren. Aus familiären Gründen ginger 1952 wieder nach Schweden zurück, wo er jedoch nie heimisch wurde.Dazu schrieb er an de Jong:»Du hast schon recht, dass ich nicht sonderlich glücklich bin. Aber – dasProblem ist unlöslich. Ich passe nicht ins Ausland. Vor allem schon deshalbnicht, weil ich es so schwer habe, Sprachen zu lernen. In Schweden passeich aber auf keinen Fall; der schw[edische] Lebensstil ist mir in tiefster Seelezuwider. (…) Lieber Albert, es ist nicht leicht in meinem Alter wieder alsungelernter Arbeiter zu gehen, der Knecht der anderen zu sein. In D[eutschland] hatte ich meinen Beruf, hatte alle Privilegien usw. Früher als Flücht-ling, habe ich alles ohne Murren ertragen, damals war ich Opfer im Kampfe.Aber – das bin ich heute nicht mehr; ich hätte schon nach all diesen JahrenGefängnis, KZ und Emigration ein besseres Schicksal verdient.«3Seine Ausführungen zeigen, dass für Benner das »Versacken« nicht nur einepolitische, sondern auch eine tragische persönliche Komponente hatte.Bis zu seinem Tod 1966 litt er unter erheblichen gesundheitlichen Problemen,Depressionen und versuchte sich mehrmals das Leben zu nehmen –diese Verzweiflung war nicht zuletzt das Ergebnis seiner Verfolgung imNationalsozialismus und der 14 Jahre im Exil.Die Geschichte Fritz Benners gehört zum Exil der »kleinen Leute«, demsich die historische Forschung weit weniger gewidmet hat als dem derbekannten Politiker, Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler*innen.»Hinweise auf die Motive, die soziale Zusammensetzung, die Überlebens-strategien dieser Mehrheit, auf ihre Emigrationsodysseen und ihre Ver-zweiflung finden sich nur vereinzelt« Im zweiten Kapitel skizziere ich seine Aktivitäten in der anarchosyndikalisti-schen Bewegung bis 1933 in Wuppertal, seine Verhaftung und Inhaftierung.Das folgende Kapitel widmet sich seiner Exilzeit in den Niederlanden,Spanien und Schweden. Das vierte Kapitel behandelt seine Rückkehr nachDeutschland sowie seine anschließende Remigration nach Schweden imJahr 1953. Im abschließenden Kapitel gehe ich detailliert auf seinen Kampfum Wiedergutmachung bis kurz vor seinem Tod ein und beleuchte seineGedanken zum Anarchismus und zur Politik. |
| ISBN | 9783943643329 | 3943643328 |
| Umfang | 78 Seiten : Illustrationen ; 21 cm |
| Erschienen als | Verfolgung und Widerstand in Wuppertal, Band 21 |
| Raumsystematik |
05124 Wuppertal
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| Sachsystematik |
109000 Biographien
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